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WO LIEBE UND HASS NAH BEIEINANDER LIEGEN.

Sie nennen sich IDLES, schreiben ihren Namen ausschließlich in VERSALIEN und wollen die Welt gesund gröhlen. Die britische Rockband ist lang nicht mehr nur in der Nische bekannt und vertritt ein kontrastreiches Image. Sänger Joe Talbot beschreibt seine Gruppe als Trojanisches Pferd in der Popkultur. In der mittlerweile so weichen und sauberen Musiklandschaft ist die Band ein harter Brocken mit einem wichtigen Anliegen: Liebe <3. Nach drei ausverkauften Touren und Nominierungen bei den Brit Awards darf man behaupten, dass die IDLES zu einer internationalen Marke mutiert sind – und das alles, mit einem wütendem Post-Rock und Weltverbesserer-Image.  


Foto: Lindsay Melbourne

An Authentizität fehlt es der Gruppe nicht. Mit ihrer leidenschaftlich finsteren und ganz vielseitigen Musik mussten sie sich den Erfolg hart erkämpfen. Doch genau dieser Ehrgeiz verhalf der Band zu einem kontinuierlichen Bestehen auf dem Musikmarkt. Mit jeder Zeile stehen sie für eine bessere Welt und eine sich liebende und respektierende Gesellschaft. Einen Vorgeschmack auf die IDLES als Marke gibt es im folgenden Musikvideo zum Song Mother, aus dem Debütalbum Brutalism 2017, welches beim befreundeten Label Partisan Records veröffentlicht wurde. 

Man hat das Gefühl Joe Talbot brüllt seinen Weltschmerz nur so heraus, während er wütend bunte Keramikfiguren auf dem grauen Betonboden wirft. Wenn zwischen monotonen Passagen eine melodische Leadgitarre einsetzt fühlt man förmlich die Befreiung in der Musik der Band. Manager Mark Bent betont die Bedeutsamkeit der Live Shows.

„Right, one thing that has always driven Idles forward is live shows, that’s what’s connected us to the fans, no publications wanted to write about us, no streaming service wanted to add us across playlists, it was always driven by us on live campaigns“ 

„Richtig, eine Sache, die IDLES immer vorangebracht hat, sind die Live-Shows. Das ist es, was uns mit den Fans verbunden hat. Keine Publikation wollte über uns schreiben, kein Streaming-Dienst wollte uns über Playlists hinzufügen – Es wurde immer von uns über Live-Kampagnen angetrieben.“

Mark Bent, Manager

Die Liveshows der Bands erinnern an Kneipenschlägereien und funktionieren nicht ohne wilde Pogos, wie beim folgenden Konzertmitschnitt vom Glastonbury Festival 2019. 

Liveauftritt beim Glastonbury Festival 2019

Als antreibend und angepisst könnte man Talbot beschreiben, wenn er  Parolen wie „I am a Feminist!“ oder „Are there any Scumbacks in the audience?“ ins Publikum feuert. Die Band feiert eine wilde Party auf der Bühne und schließt dazu gern das ganze Publikum ein. Liebe und Hass liegen hier so nah beieinander, wie England und Großbritannien. Nicht umsonst wird das Merchandise der IDLES von süßen Babykatzen und kleinen Hundewelpen geschmückt. Dieser Kontrast macht die Band unverwechselbar.

Regenbogenflaggen gehören zum Erscheinungsbild der Engländer wie ein immer wiederkehrender Hauch von Oldschool und Simplizität. Allgemein nutzen sie in jeder Kampagne ein auffälliges Farbschema und plakative Typografie, oft gepaart mit kalten Schwarz-Weiß Fotografien. Der Bar- und Kneipenschlägereicharakter wird auch auf Postern und Bandfotos weiter getragen. 


Albumcover Ultra Mono 2020


Film Cover Don’t Go Gentle: A Film About IDLES 2021

Be kind and listen to IDLES

Einen großen Teil der Markenstrategie der IDLES stellen die Werte dar, welche die Band lauthals vertritt. Dabei lassen sie kein Thema aus. Humorvoll kämpfen sie in ihren Texten gegen Rassismus und Sexismus. Sie setzen sich für die britische Arbeiterklasse und die Zuwanderung ein und kämpfen gegen Vorurteile und Klassengesellschaften. Themen wie toxische Männlichkeit, der Brexit oder Nazionalsozialismus sind sensibel zu behandeln und deswegen in der Popkultur noch sehr selten Thema. Seit Jahren trifft die Band auf diese Art und Weise erfolgreich den Zahn der Zeit. Mit dem Traum von diesem Idealismus sprechen sie einen großen Teil der Bevölkerung an.  

Kein Erfolg ohne Fans

Mit Nähe und Transparenz arbeiten die IDLES an der Fanbindung. Bei Live Shows holen Sie das Publikum gern auf die Bühne um mit ihnen gemeinsam zu brüllen und zu schwitzen. Als Covid-19 der Kampagne für das Album Ultra Mono im Weg stand, nutzte die Band online Schlüsselmomente um mit ihren Fans in Kontakt zu bleiben. Sie veröffentlichten eine Art Tagebuch mit Terminkalendereinträgen, welche kommende Releases und Tourdaten anzeigten. So waren Hörer:innen immer Up-To-Date und vergaßen nie die letzte IDLES Platte aufzulegen. Um das Kauferlebnis zu etwas Besonderem zu machen und die Fans noch näher rücken zu lassen, wird Vinyl beispielsweise oft in Colored Limited Editions angeboten.

Doch wer gehört eigentlich zur Zielgruppe und wird vom Markenauftritt der IDLES angesprochen? Die Band ist bei Fans der Gitarrenmusik in aller Munde. Dabei ist das Alter ganz egal. Die Zielgruppe definiert sich eher durch politische und gesellschaftliche Denkweisen. Wahre IDLES Fans sind Feminist:innen und Antirasisst:innen oder sympathisieren zumindest mit diesen Denkweisen. Wenn eine Band das behaupten kann, dann hat sie wohl Einiges richtig gemacht.  
An den IDLES sieht man, dass Authentizität und Ehrzeig die Schlüssel zum Erfolg sein können. Das ausgeprägte Mindset der Band wurde von einem auffälligen Branding weiter ausgeprägt und präsentiert. Der Kontrast zur Wut auf die Welt und der Vision der Liebe wird in jedem Zuge der Markenstrategie vertieft.  

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Sheesh – Über den Urknall des Cloud Rap

Blog 2

Mit I’m God leutete Rapper Lil B 2009 den Beginn einer neuen musikalischen Ära ein. Mittlerweile ist der Cloud Rap ein populäres Genre und vom Musikmarkt nicht mehr wegzudenken.   

Verwandte Vorfahren 

Die Wurzeln des Cloud liegen in der Trapmusik, welche mit dem Gangsta-Rap verwandt ist und besonders in den Neunziger Jahren in amerkanischen Städten wie Atlanta populär wurde. Damalige Trap-Rapper thematisierten den Drogenhandel in ihren besonders lyrischen Texten. Schon damals waren Szene und Sound von einem DIY-Image geprägt, mit welchem sich vor allem die junge Generationen identifizieren konnte.

Geboren mit Lil B in den USA, hörte man in Deutschland spätestens durch Money Boy von dem Genre, welches sich anfangs hauptsächlich auf der Streamingplattform SoundCloud auslebte. Der österreichische Künstler versprühte 2010 mit seinem Null-Bock-Sound, untermalt von qualitativ schlechten Videos, frischen Wind auf dem Musikmarkt. Rapper wie Yung Hurn folgten dem Trend und verankerten das Genre weiterhin im deutschen Raum.  

Wenn Do-It-Yourself zur Parole wird

Die Cloud Rapper etablieren sich als vernetzte Szene, welche geprägt von einer markanten DIY-Kultur ist. Im Zeitalter des Internets wundert einen das nicht wirklich. Es ist einfach, seine Musik selbst im Kinderzimmer und ohne viel Budget oder Know-How zu produzieren. Die entsprechende Zielgruppe findet man dann ebenfalls im Netz an. Schlechte Qualität in Tonaufnahmen und Marketingmaßnahmen etablierten sich so zum Alleinstellungsmerkmal. 

Eine Zusammenarbeit mit Labels oder A&R Managern ist durch die leichte Vernetzung über Social Media nicht mehr nötig. Der Rapper LGoony verkündet diese Botschaft geradeaus in seinen Lyrics, wie beispielsweise beim Song Allein gegen Alle

Generation Internet gefällt das

Mit seinen belanglosen Lyrics und übertriebenem Autotune provoziert der Cloud das Publikum und die Musikindustrie. Das unterstützen hauptsächlich Jugendliche mit dem rebellischen Hintergrund, die Älteren zu schockieren. 

Der Alltag der jungen Generationen ist oft geprägt von Zukunftsängsten und Leistungsdruck. Der Sound gibt einem die Erlaubnis kurz den Kopf auszuschalten und der Realität zu entkommen. 

So jung und doch so erfahren – über den Cloud Rap und seinen stilistischen Charakter

Blog 1

Ein Musikgenre muss herausstechen, um in der modernen, nur vor Individualität trotzenden, Gesellschaft erfolgreich zu sein. Als Kind des Raps hat der Cloud, mit seinem übertriebenen Stoizismus und unrealistischen Sound, diesen notwendigen Charakter. Doch was genau macht ihn so einzigartig, dass Vertreter wie LGoony die gegenwärtige Musiklandschaft so markant revolutionieren?

2010 erwähnte Walker Chambliss in einem Blogbeitrag über Produzent Squadda B erstmalig den Begriff Cloud Rap. Er erinnerte sich, diesen Namen bereits in einem anderen Blog gelesen zu haben, täuschte sich aber. Er verwechselte damit ein Interview von Journalist Noz mit Rapper Lil B, der auf ein computergeneriertes Bild eines Wolkenschlosses sah und sagte:

„That’s the kind of music I want to make.“ 1

Chambiss gab so einem HipHop-Subgenre einen Namen, welches abstrakter nicht sein könnte.

Symbolbild Wolkenschloss; Quelle pixabay

Verträumte Synthesizer und paradiesische Beats

In einem Artikel zitiert Jan Knoblauch den Künstler MondreM.A.N., welcher das Mikrogenre mit diesen Worten beschrieb: „Cloud Rap ist, was du daraus machst. Von hundert Leuten wird dir wahrscheinlich jeder etwas anderes erzählen. Für mich fing es damit an, dass ich nachts in die Sterne geschaut habe, ich habe Flugzeuge gesehen und so und wünschte mir, ich wäre eines von ihnen.“2 Die Aussage des Rappers unterstreicht die atmosphärisch raumgreifende Stimmung des Musikstils.

Im Song Mon€¥, Hom€$, Ho€$, $wag von LGoony, einem kölner Jungrapper, dröhnt ein galaktischer, rhythmisierter Sound. Dieser stammt von düsteren Synthesizern und wird mit elektronisch erzeugten, himmlisch klingenden Beats unterlegt. Das Ganze ist so charakteristisch für den Cloud, wie der Einsatz von durch Autotune erzeugten Stimmenverzerrern.

Irre Wortspiele in x-facher Wiederholung

So rappt LGoony, einer der bekanntesten deutschen Cloud Rapper, Hooklines wie:

„Eistee im Cup, Kopf an der Wand, Hirn voll mit all diesem Zeug, das ich mag, Es ist Money, Homes, Hoes, Swag, Money, Homes, Hoes, Swag“.

Grobe Beats untermalen monotone und sich ständig wiederholende Zeilen und Phrasen, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Grammatik und Ausdruck spielen bei diesen Slogans keine Rolle.  Auffällig ist der großkotzige Ausdruck, dem die Texte des Genres unterlegen sind. Diese orientieren sich an einer klischeehaften Übertreibung des Gangster Raps. So dreht es sich um banale Themen wie Frauen, Drogen, Designermarken, Geld und Gewalt. 

Stilistische Revolte

Vor allem in den Anfängen des Clouds experimentierten die Künstler willentlich mit einer eher schlechten Aufnahmequalität. Geprägt von dieser Do-It-Yourself-Persönlichkeit wird das Genre auch liebevoll Wohnzimmer-Rap genannt.

Johannes Pälchen kommentiert den Musikstil in einem Beitrag  über das Mikrogenre wie folgt: „Es ist so etwas der Punkrock der Rap-Szene.“3 Er beschreibt das rebellische, spontane Wesen des Genres. Das ist wohl der Grund dafür, dass Cloud Rap, besonders bei jungen Musikliebhabern, viel Zuspruch findet. Da der Stil noch in der Anfangsphase seiner Entwicklung steckt, bleibt abzuwarten was die musikalische Zukunft für ihn zu bieten hat.

1 Knoblauch, Jan (2018) Es ist zum Weinen. CLOUD-RAP. [online] einsehbar unter: <URL> [29.10.2020]

2 Knoblauch, Jan (2018) Es ist zum Weinen. CLOUD-RAP. [online] einsehbar unter: <URL> [29.10.2020]

3  Pälchen, Johannes (2017) „das will doch keiner hören!“ – eine kleine geschichte des cloudrap. [online] einsehbar unter: <URL> [21.10.2020]