So jung und doch so erfahren – über den Cloud Rap und seinen stilistischen Charakter

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Ein Musikgenre muss herausstechen, um in der modernen, nur vor Individualität trotzenden, Gesellschaft erfolgreich zu sein. Als Kind des Raps hat der Cloud, mit seinem übertriebenen Stoizismus und unrealistischen Sound, diesen notwendigen Charakter. Doch was genau macht ihn so einzigartig, dass Vertreter wie LGoony die gegenwärtige Musiklandschaft so markant revolutionieren?

2010 erwähnte Walker Chambliss in einem Blogbeitrag über Produzent Squadda B erstmalig den Begriff Cloud Rap. Er erinnerte sich, diesen Namen bereits in einem anderen Blog gelesen zu haben, täuschte sich aber. Er verwechselte damit ein Interview von Journalist Noz mit Rapper Lil B, der auf ein computergeneriertes Bild eines Wolkenschlosses sah und sagte:

„That’s the kind of music I want to make.“ 1

Chambiss gab so einem HipHop-Subgenre einen Namen, welches abstrakter nicht sein könnte.

Symbolbild Wolkenschloss; Quelle pixabay

Verträumte Synthesizer und paradiesische Beats

In einem Artikel zitiert Jan Knoblauch den Künstler MondreM.A.N., welcher das Mikrogenre mit diesen Worten beschrieb: „Cloud Rap ist, was du daraus machst. Von hundert Leuten wird dir wahrscheinlich jeder etwas anderes erzählen. Für mich fing es damit an, dass ich nachts in die Sterne geschaut habe, ich habe Flugzeuge gesehen und so und wünschte mir, ich wäre eines von ihnen.“2 Die Aussage des Rappers unterstreicht die atmosphärisch raumgreifende Stimmung des Musikstils.

Im Song Mon€¥, Hom€$, Ho€$, $wag von LGoony, einem kölner Jungrapper, dröhnt ein galaktischer, rhythmisierter Sound. Dieser stammt von düsteren Synthesizern und wird mit elektronisch erzeugten, himmlisch klingenden Beats unterlegt. Das Ganze ist so charakteristisch für den Cloud, wie der Einsatz von durch Autotune erzeugten Stimmenverzerrern.

Irre Wortspiele in x-facher Wiederholung

So rappt LGoony, einer der bekanntesten deutschen Cloud Rapper, Hooklines wie:

„Eistee im Cup, Kopf an der Wand, Hirn voll mit all diesem Zeug, das ich mag, Es ist Money, Homes, Hoes, Swag, Money, Homes, Hoes, Swag“.

Grobe Beats untermalen monotone und sich ständig wiederholende Zeilen und Phrasen, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen. Grammatik und Ausdruck spielen bei diesen Slogans keine Rolle.  Auffällig ist der großkotzige Ausdruck, dem die Texte des Genres unterlegen sind. Diese orientieren sich an einer klischeehaften Übertreibung des Gangster Raps. So dreht es sich um banale Themen wie Frauen, Drogen, Designermarken, Geld und Gewalt. 

Stilistische Revolte

Vor allem in den Anfängen des Clouds experimentierten die Künstler willentlich mit einer eher schlechten Aufnahmequalität. Geprägt von dieser Do-It-Yourself-Persönlichkeit wird das Genre auch liebevoll Wohnzimmer-Rap genannt.

Johannes Pälchen kommentiert den Musikstil in einem Beitrag  über das Mikrogenre wie folgt: „Es ist so etwas der Punkrock der Rap-Szene.“3 Er beschreibt das rebellische, spontane Wesen des Genres. Das ist wohl der Grund dafür, dass Cloud Rap, besonders bei jungen Musikliebhabern, viel Zuspruch findet. Da der Stil noch in der Anfangsphase seiner Entwicklung steckt, bleibt abzuwarten was die musikalische Zukunft für ihn zu bieten hat.

1 Knoblauch, Jan (2018) Es ist zum Weinen. CLOUD-RAP. [online] einsehbar unter: <URL> [29.10.2020]

2 Knoblauch, Jan (2018) Es ist zum Weinen. CLOUD-RAP. [online] einsehbar unter: <URL> [29.10.2020]

3  Pälchen, Johannes (2017) „das will doch keiner hören!“ – eine kleine geschichte des cloudrap. [online] einsehbar unter: <URL> [21.10.2020]

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